Dr. med. Nassim König über falsche Fährten, übersehene Hüften und die vielleicht wichtigste Frage der Diagnostik: Passt das überhaupt zusammen?
Der Fall scheint zunächst einfach. Ein Patient hat Beinschmerzen. Das MRT zeigt einen Bandscheibenvorfall. Damit ist die Ursache gefunden. Oder?
Was geschieht, wenn der Vorfall links liegt, der Schmerz aber rechts? Was, wenn der Patient zusätzlich eine schwere Hüftarthrose hat? Was, wenn eine Polyneuropathie besteht? Was, wenn die Beine beim Gehen schmerzen, aber nicht die Wirbelsäule, sondern die Durchblutung das Problem ist? In einer Medizin, die immer präzisere Bilder erzeugt, entsteht eine überraschende Gefahr: Wir finden immer mehr, aber wissen wir deshalb automatisch besser, was die Beschwerden verursacht?
Für Dr. med. Nassim König liegt genau hier ein wesentlicher Teil spezialisierter Wirbelsäulenmedizin. Seine Website stellt deshalb nicht die Bildgebung an den Anfang, sondern die Einordnung. Beschwerden, neurologischer Befund, klinische Zeichen und Alltag sollen zusammengeführt werden. Erst dann werden MRT, CT oder Röntgen mit diesen Ergebnissen verglichen. Sein Leitmotiv lautet „Einordnung statt Schnellurteil.“
Die gefährlichste Diagnose könnte manchmal der Zufallsbefund sein
Die moderne Bildgebung ist beeindruckend. Doch sie besitzt einen Nebeneffekt: Sie zeigt auch Dinge, nach denen niemand gesucht hat: degenerative Bandscheiben, Vorwölbungen, Engstellen, Arthrosen, veränderte Wirbelgelenke. Viele dieser Veränderungen nehmen mit dem Alter zu. Manche verursachen Beschwerden. Andere nicht. Eine ältere, aber bis heute grundlegende MRT-Untersuchung zeigte bei beschwerdefreien Personen unter 60 Jahren bei etwa 20 Prozent einen Bandscheibenvorfall. Bei Menschen ab 60 Jahren fanden sich sogar bei 36 Prozent Bandscheibenvorfälle und bei 21 Prozent eine Spinalkanalstenose, obwohl die Untersuchten keine entsprechenden Beschwerden angegeben hatten. Die Autoren warnten bereits damals davor, MRT-Veränderungen ohne klinische Korrelation als Operationsgrundlage zu verwenden.
Diese Erkenntnis hat im Jahr 2026 nichts an Aktualität verloren. Im Gegenteil: Je besser die Bilder werden, desto häufiger werden wir etwas entdecken. Die Frage lautet deshalb nicht nur: Was sehen wir? Sondern: Was davon benötigen wir überhaupt zu erklären?
Ein Patient, zwei Baustellen: das Hip-Spine-Syndrom
Ein aktuelles Beispiel liefert die 2026 veröffentlichte Fachübersicht zum sogenannten Hip-Spine-Syndrom. Damit wird die gleichzeitige Existenz degenerativer Erkrankungen an Hüfte und Wirbelsäule beschrieben. Patienten können Rückenschmerzen, Leistenschmerzen, Schmerzen im Gesäß, radikulär wirkende Beinschmerzen oder eine eingeschränkte Gehfähigkeit entwickeln. Das Problem: Hüfte und Wirbelsäule können sich symptomatisch überlagern. Die Autoren betonen deshalb, dass zunächst der primäre Schmerzgenerator identifiziert werden muss. Dafür können eine sorgfältige Untersuchung von Hüfte und Wirbelsäule sowie gegebenenfalls diagnostische Injektionen notwendig sein. Auch die Frage, welche Erkrankung zuerst behandelt wird, kann komplex sein. Für Patienten kann das irritierend sein. Sie haben ein MRT der Lendenwirbelsäule. Dort wurde etwas gefunden. Warum untersucht der Arzt jetzt plötzlich die Hüfte? Weil genau diese Skepsis manchmal vor der falschen Behandlung schützen kann.
Der Blickwechsel: Was, wenn die Wirbelsäule gar nicht allein verantwortlich ist?
Wirbelsäulenspezialisten müssen paradoxerweise besonders gut darin sein, die Wirbelsäule nicht für alles verantwortlich zu machen. Ein Mensch mit Schmerzen im Bein kann eine Radikulopathie haben. Aber auch eine periphere Nervenkompression: eine Neuropathie, eine Gefäßerkrankung, eine Hüfterkrankung oder mehrere Probleme gleichzeitig. Eine Fachübersicht zur Diagnostik lumbosakraler Radikulopathien betont, dass musculoskelettale Erkrankungen häufig radikuläre Symptome imitieren können. Erst die Kombination von Anamnese, Untersuchung und gezielter weiterer Diagnostik verengt die möglichen Ursachen. Das ist ein wichtiger Gegenentwurf zur „Ein Bild, eine Diagnose, eine Behandlung“-Logik.

Auch die Spinalkanalstenose kann eine falsche Fährte legen
Stellen wir uns einen 72-jährigen Patienten vor. Nach 300 Metern schmerzen die Waden. Er bleibt stehen. Das MRT zeigt eine Spinalkanalstenose. Fall gelöst? Nicht unbedingt. Eine periphere arterielle Verschlusskrankheit kann ein fast identisches Muster verursachen. Auch ältere Untersuchungen zeigen, dass beide Erkrankungen gleichzeitig auftreten können und die Zuordnung der Beschwerden schwierig sein kann. Für den Patienten ist dieser Unterschied entscheidend. Denn eine Operation am Wirbelkanal kann keine arterielle Durchblutungsstörung behandeln. Umgekehrt löst eine Gefäßbehandlung keine Nervenkompression aus.
Das Beispiel zeigt in aller Klarheit, warum eine Diagnose nicht nur danach fragen darf, ob ein Befund vorhanden ist. Sie muss fragen, ob er kausal plausibel ist.
2026 versucht die Forschung, das Unsichtbare sichtbarer zu machen
Die medizinische Wissenschaft reagiert auf dieses Problem mit immer ausgefeilterer Diagnostik. Die im Juni 2026 veröffentlichte Studie zur Magnetresonanz-Neurographie und zum T2-Mapping untersuchte nicht nur die Bandscheibe, sondern Veränderungen der betroffenen Nervenwurzel selbst. Bestimmte Messwerte waren mit Taubheitsbeschwerden assoziiert. Gleichzeitig erreichte die visuelle Methode zwar eine Sensitivität von 91,7 Prozent, aber nur eine Spezifität von 50 Prozent. Die Technik sagt damit sinngemäß: Wir können mehr sehen, aber wir müssen weiterhin interpretieren. Das ist kein Versagen der modernen Bildgebung. Es ist ihre natürliche Grenze.
Warum eine neurologische Untersuchung plötzlich wieder hochmodern wirkt – wenn der Reflexhammer mehr erzählt als das MRT
Neben hochauflösenden MRT-Aufnahmen wirkt eine neurologische Untersuchung beinahe unspektakulär: Muskelkraft prüfen, Reflexe auslösen, Berührungs- und Temperaturempfinden vergleichen, Gangbild beobachten, auf Fersen und Zehen gehen lassen. Doch gerade diese einfachen Untersuchungen können entscheidende Hinweise darauf geben, ob ein sichtbarer Bandscheibenvorfall tatsächlich Auswirkungen auf eine bestimmte Nervenfunktion hat. Genau hier liegt ein wichtiger Schwerpunkt in der diagnostischen Arbeit von Dr. med. Nassim König. Als Facharzt für Neurochirurgie betrachtet er einen Bandscheibenvorfall nicht allein als Veränderung auf einem Bild. Entscheidend ist vielmehr, ob sich der radiologische Befund auch im Körper wiederfinden lässt. Passt die Schmerzverteilung zu der möglicherweise betroffenen Nervenwurzel? Gibt es ein klar umschriebenes Taubheitsgefühl? Hat eine bestimmte Muskelgruppe messbar an Kraft verloren? Haben sich Reflexe verändert oder fällt beim Gehen eine neue Schwäche auf?
Ein Beispiel: Ein Bandscheibenvorfall im Bereich L4/L5 kann eine Nervenwurzel beeinträchtigen, die unter anderem an bestimmten Bewegungen des Fußes und Beines beteiligt ist. Deshalb interessiert den Neurochirurgen nicht nur, dass auf dem MRT eine Einengung sichtbar ist. Er prüft, ob sich Hinweise auf eine dazu passende Funktionsstörung finden. Erst das Zusammenspiel von Krankengeschichte, neurologischer Untersuchung und Bildgebung ermöglicht eine belastbare medizinische Einordnung.
Für Betroffene ist dieser Zusammenhang besonders wichtig. Ein auffälliges MRT bedeutet nicht automatisch, dass jede Beschwerde durch genau diesen Befund verursacht wird oder daraus unmittelbar eine bestimmte Behandlung folgt. Umgekehrt können Veränderungen der Muskelkraft, neue Gefühlsstörungen oder andere neurologische Auffälligkeiten medizinisch bedeutsam sein, auch wenn der Befund auf den ersten Blick wenig spektakulär erscheint. Und was geschieht, wenn Bild und Beschwerden nicht zusammenpassen? Dann ist dieser Widerspruch kein störendes Detail, sondern eine wichtige diagnostische Information. Es kann notwendig sein, genauer hinzusehen und auch andere mögliche Ursachen einzubeziehen. Für Dr. König steht deshalb die klinische Relevanz eines Befundes im Mittelpunkt: Nicht das auffälligste Bild soll die Entscheidung bestimmen, sondern die Frage, welche Veränderung die Beschwerden und Funktionsstörungen des konkreten Menschen tatsächlich plausibel erklären kann.
Eine solche Untersuchung kann keine Garantie für eine bestimmte Diagnose oder einen Behandlungserfolg geben. Sie schafft jedoch eine fundiertere Grundlage, um konservative und operative Möglichkeiten im individuellen Fall medizinisch abzuwägen.
Genau hier zeigt sich Dr. Königs ungewöhnlicher beruflicher Weg
Dr. König war Physiotherapeut, bevor er Arzt wurde. Das bedeutet nicht automatisch, dass er deshalb „ganzheitlicher“ arbeitet als andere Ärzte, aber seine berufliche Geschichte erklärt plausibel, weshalb Funktion in seinem Konzept einen sichtbaren Stellenwert besitzt. Von der Physiotherapie führte sein Weg zum Medizinstudium und anschließend in die Neurochirurgie. Seine Facharztausbildung absolvierte er an den Universitätskliniken Kiel, Münster und Oldenburg. Nach weiteren Stationen in Neuwied, Lorsch und Mainz ist er seit September 2026 Chefarzt und geschäftsführender Arzt der Bandscheibenklinik und Bandscheibenpraxis Gensingen. Heute treffen deshalb zwei Perspektiven aufeinander. Wie bewegt sich der Mensch? Und welche neurologische Struktur könnte diese Bewegung erklären?
Wenn Schmerz auch vom Nervensystem selbst geprägt wird
Die 2026 veröffentlichte Untersuchung von Patienten mit Spinalkanalstenose erweitert diese Perspektive noch einmal. Bei 125 Patienten waren nicht nur Beinschmerz und Gehstrecke mit der Alltagsbeeinträchtigung verbunden. Auch Schmerzkatastrophisierung und Hinweise auf zentrale Sensibilisierung zeigten unabhängige Zusammenhänge. Das ist ein empfindliches Thema. Niemand mit einer strukturellen Wirbelsäulenerkrankung möchte hören: „Das ist psychisch.“ Zu Recht. Doch moderne Schmerzmedizin sagt etwas anderes. Sie sagt, dass die Verarbeitung von Schmerz im Nervensystem selbst Teil einer Erkrankung werden kann.
Eine reale Spinalkanalstenose und eine veränderte Schmerzverarbeitung können gleichzeitig existieren. Das eine macht das andere nicht unwirklich. Für Ärzte ergibt sich daraus eine neue Verantwortung: nicht nur Struktur zu behandeln, sondern zu erkennen, wann ein Beschwerdebild mehr als eine strukturelle Komponente besitzt.
Mainz: Spezialisierte Wirbelsäulenmedizin ist bereits fest etabliert
Im Raum Mainz hat sich seit Langem eine breite spezialisierte Versorgung für Erkrankungen der Wirbelsäule entwickelt. Für Patienten bedeutet das eine hohe Dichte an fachlicher Expertise und unterschiedlichen Behandlungsperspektiven. Dr. König gehört zu diesem Umfeld, mit seinen Schwerpunkten Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie in Mainz und seiner heutigen chefärztlichen Leitung an der Bandscheibenklinik und Bandscheibenpraxis Gensingen angesiedelt ist. Das MVZ Bandscheibenpraxis verfügt parallel über einen Standort in Mainz. Die Frage lautet deshalb nicht, ob sich Wirbelsäulenexperten in Mainz noch positionieren müssen. Sie sind bereits da.
Gerade in einem solchen Umfeld gewinnt eine andere Form der Differenzierung an Bedeutung: fachliche Tiefe und transparente Einordnung. Patienten benötigen nicht unbedingt noch mehr Begriffe für Operationsverfahren. Sie benötigen Antworten auf Fragen wie: Warum passen meine Beschwerden nicht zum MRT? Was könnte noch dahinterstecken? Welche Symptome sprechen tatsächlich für eine Nervenkompression? Und welche nicht?
Die beste Diagnose kann manchmal bedeuten, einen sichtbaren Befund nicht zu behandeln
Für Ärzte ist das gelegentlich die schwierigste Erklärung. Der Patient hat Schmerzen. Auf dem MRT ist etwas sichtbar. Aber genau dieser Befund ist wahrscheinlich nicht der Hauptgrund. Das ist emotional unbefriedigend.
Denn ein sichtbarer Befund vermittelt Kontrolle. Wenn man ihn beseitigt, müsste das Problem doch verschwinden. Doch diese Logik kann bei komplexen Wirbelsäulenbeschwerden scheitern. Eine Operation an einem klinisch irrelevanten Befund kann Erwartungen wecken, die die Anatomie nicht erfüllen kann. Das Gegenteil ist ebenso problematisch: Ein kleiner oder wenig dramatisch wirkender Befund darf nicht ignoriert werden, wenn die neurologische Untersuchung eine fortschreitende Schädigung zeigt. Die medizinische Kunst liegt deshalb zwischen zwei Fehlern: zu viel Bedeutung in ein Bild hineinzulesen und zu wenig Bedeutung in einen klinischen Befund.
Je mehr die Medizin weiß, desto wichtiger wird das Nichtwissen
Moderne Medizin liebt Sicherheit und Patienten verständlicherweise auch. Doch vielleicht besteht Expertise manchmal gerade darin, Unsicherheit korrekt zu benennen. „Dieser Befund erklärt wahrscheinlich einen Teil Ihrer Beschwerden.“ „Wir müssen noch eine andere Ursache ausschließen.“ „Das MRT ist auffällig, aber Ihre Symptome passen nicht vollständig dazu.“ Solche Aussagen klingen weniger kraftvoll als eine sofortige Diagnose. Sie können jedoch medizinisch verantwortungsvoller sein.
Dr. Nassim König setzt auf „Einordnung statt Schnellurteil“. Dies beschreibt deshalb mehr als einen Sprechstundenablauf. Er beschreibt eine Haltung. Nicht jedes sichtbare Problem muss behandelt werden oder ein unsichtbares Problem ist eingebildet. Und nicht jede Antwort liegt dort, wo das MRT den hellsten Pfeil zeigt. Vielleicht ist die wichtigste Fähigkeit eines Wirbelsäulenspezialisten deshalb nicht nur, Krankheiten zu erkennen, sondern auch zu erkennen, wenn eine naheliegende Diagnose nicht die ganze Geschichte erzählt.
Medizinischer Hinweis
Dieser Artikel dient der allgemeinen medizinischen Information. Rücken-, Gesäß-, Hüft- und Beinschmerzen können zahlreiche unterschiedliche Ursachen haben und lassen sich nicht durch einen Onlineartikel diagnostizieren. Bei akuten oder zunehmenden neurologischen Ausfällen ist eine zeitnahe beziehungsweise dringliche ärztliche Untersuchung notwendig.
Gemeinsamer redaktioneller und rechtlicher Hinweis
Die Beiträge dienen dem Wissenstransfer und stellen keine individuelle Diagnose, Therapieempfehlung oder Erfolgsaussage dar. Insbesondere wird weder versprochen, dass konservative Behandlung einen operativen Eingriff verhindert, noch dass eine Operation Schmerzen oder neurologische Einschränkungen sicher beseitigt. Das Heilmittelwerbegesetz untersagt irreführende Werbung und insbesondere den falschen Eindruck, ein therapeutischer Erfolg könne mit Sicherheit erwartet werden.
Die verwendeten direkten Aussagen von Dr. med. Nassim König stammen von seiner aktuellen Website. Seine dort dokumentierte Vita weist ihn seit September 2026 als Chefarzt und geschäftsführenden Arzt der Bandscheibenklinik und Bandscheibenpraxis Gensingen aus. Die Website stellt gleichzeitig seine fachliche Verbindung zur Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie im Raum Mainz heraus.
Autor: Moritz Bausch, operationstechnischer Assistent und medizinischer Blogger
Kontakt
Dr. med. Nassim König
Neurochirurgische Wirbelsäulensprechstunde Gensingen
Bandscheibenklinik Gensingen
MVZ Bandscheibenpraxis Gensingen
Alzeyer Straße 23
55457 Gensingen
Telefon: 06727 933 939
E-Mail: kreuzkoenig.dr@gmail.com
Web: https://www.kreuzkoenig.com
Über Wirbelsäulenchirurg Dr. Nassim König:
Dr. med. Nassim König ist Facharzt für Neurochirurgie mit Schwerpunkt Wirbelsäulenchirurgie. Sein Fokus liegt auf der Diagnostik und Behandlung degenerativer Erkrankungen der Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule, insbesondere Bandscheibenvorfällen, Spinalkanalstenosen, Wirbelgleiten und degenerativen Skoliosen. In seiner Wirbelsäulensprechstunde in Mainz stehen die sorgfältige Prüfung der Operationsindikation, neurochirurgische Zweitmeinungen sowie die Abstimmung konservativer und operativer Behandlungsmöglichkeiten im Mittelpunkt.